Pitzalpine 2018

Herausforderung und Spektakel
„Ein atemberaubendes Alpenpanorama und Höhen bis über 3.000m inklusive Sonnenaufgang am Pitztaler Gletscher - der beliebte Pitz Alpine Glacier-Trail machte seinem Ruf wieder einmal alle Ehre, einer der technisch härtesten und landschaftlich schönsten Trail Runs in Österreich zu sein. Sechs Distanzen - 100, 85, zweimal 42, 26 und 15 Kilometer – brachten die rund 1.100 Starter im hochalpinen Gelände an ihre körperlichen Grenzen.“… Heißt es in einer Pressemitteilung auf sport.tirol.de.
Mit dabei „Bergziegen“ der Sparte Laufen Heike Wonneberg, Reiner Frank, Dieter Kary und Richard Dolde.
Bereits um den Jahreswechsel waren wir auf diese Trailveranstaltung aufmerksam geworden. Dieter und ich haben uns spontan für den Glacier über 44km und ca. 3000 Höhenmetern entschieden. Heike und Reiner entschieden sich für die „Genussvariante“ über 28km und ca. 1500 Höhenmeter.
Dieter und ich durften diese Genussstrecke auch laufen, hatten aber zuvor eine 16km-Runde mit 1500 Höhenmetern einschließlich Gletscherquerung zu meistern.
Nun gut, am Freitag, den 3. August reisten wir also in Mandarfen im hinteren Pitztal an, wo wir unser Hotel direkt neben Start und Ziel bezogen. Alsbald reihten wir uns in die lange Schlange zur Startnummernausgabe und Ausrüstungskontrolle ein. Bei Trails wird eine Pflichtausrüstung vorgeschrieben und auch kontrolliert. Dieser Trail im Hochgebirge bewegte sich in einer Höhe von 1600 bis 3100m mit allen Wetterrisiken. Die Liste für die 28km Läufer war mit Schuhen mit Profilsohlen, warmer Ersatzbekleidung und Regenschutz überschaubar, bei der Gletschervariante kamen Schuhspikes für die Gletscherquerung, Stirnlampe und sogar ein Rücklicht dazu, Start war ja bereits um 5 Uhr bei Dunkelheit. Bei Trails sind Verpflegungsstellen nicht so zahlreich, es gibt außerdem keine Becher, sodass die Mitnahme von Getränk und entsprechender Behältnisse erforderlich ist.
Also denn, Samstag früh 3 Uhr 30 Lärm vor dem Hotel, die 100- und 85km-Läufer machten sich auf ihren langen Weg, dann 3 Uhr 50 Wecken für Dieter und mich, Start um 5 Uhr, vorher kleines Frühstück. Unser Hotel war voll auf die Veranstaltung eingestellt, Frühstück gab es bereits ab 2 Uhr.
Punkt 5 Uhr gingen Dieter und ich zusammen mit etwa 200 weiteren Teilnehmern auf die Gletscherrunde, heißt erst mal 1400 Höhenmeter auf einer Strecke von 6km brutal steil hinauf zur 3070m hoch gelegenen Mittagsscharte. Bei Traumwetter mit wolkenlosem Himmel hatten wir herrliche Aussicht auf die Tiroler Berg- und Gletscherwelt. Von der Scharte ging es hinunter auf 2840m zur Station Gletscherexpress mitten in dem im Sommer trostlosen Pitztaler Gletscher-Skigebiet und der ersten Verpflegungsstelle. Weiter hinunter auf der staubigen Skipiste bis auf etwa 2600m, wo die Gletscherquerung begann. Hier mussten wir unsere Schuhspikes anlegen um auf Blankeis den etwa 1,2km breiten Mittelbergferner auf markierter, spaltenfreier Route zu überqueren. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten durften wir wieder 150 Höhenmeter hinauf zur Braunschweiger Hütte (2752m) laufen und zum Abschluss dieser Gletscherrunde zum Teil seilgesichert und mit Eisenbügeln unterstützt wieder hinunter nach Mandarfen (1670m), zu Start und Ziel um dann endlich wie Heike und Reiner die Genussrunde in Angriff nehmen zu können. Beim Abstieg hatten wir bereits Sicht auf den steilen „Genussanstieg“ auf der anderen Talseite.
Dieter hat auf der Gletscherrunde ordentlich Gas gegeben und konnte noch vor dem Start der Genussläufer um 8 Uhr 30, den Genuss in Angriff nehmen. Als Alterspräsident habe ich das natürlich nicht in dieser Geschwindigkeit geschafft, habe mich etwas später an die Verfolgung von Heike und Reiner gemacht. Zwischenzeitlich waren die Temperaturen bei wolkenlosem Himmel kräftig nach oben geklettert. Nach der Gletscherrunde haben bereits 25 Läufer in Mandarfen aufgegeben oder wurden wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen.
Vom Start-/Zielbereich in Mandarfen ging es zunächst erst mal 600hm hinauf zum Riffelsee und zur Sunna-Alm wo die nächste Verpflegungsstation auf uns wartete. Es folgte eine lange Schleife durch ein Hochtal und weiter auf dem bekannten Fuldaer Höhenweg zum Taschachhaus (2434m). Dieser Höhenweg brachte ein ständiges Auf und Ab, kurz vor dem Taschachhaus nochmals einen grausigen Aufstieg auf beinahe 2600m und einige schwierige mit Seilen versicherte Stellen. Im Blickfeld bei herrlichem Wetter immer wieder die umliegenden 3000er und die Tiroler Gletscherwelt. Nach dem Abstieg zum Haus mit der letzten Verpflegungsstelle folgten ein zunächst steiler Abstieg über einen Moränenrücken und schließlich ein langwieriger Fahrweg zurück nach Mandarfen.
Dieter hatte fast alle Genussläufer hinter sich halten können und kam als Gesamt 20. des Gletscherlaufs und dritter der Altersklasse ins Ziel. Ein Supererfolg für Dieter.
Unsere Genussläufer Heike und Reiner waren im Ziel etwas überrascht, dass sie von Dieter erwartet wurden. Immerhin, Reiner macht Fortschritte, hat sich dieses Mal nicht über die vielen Steine auf dem Weg beschwert. Ja und ich, zweitältester Teilnehmer im Feld der der Gletscherläufer, bin schließlich auch im Ziel angekommen.
Am Abend bei Pizza und einem Bier waren wir uns einig, dass der Pitz Alpin das härteste war, was wir bisher gemacht haben. Die zum Teil technisch schwierigen Streckenteile und die steilen Aufstiege ließen keine hohe Laufgeschwindigkeit zu. Die bis in den Nachmittag hinein starke Sonneneinstrahlung sorgte auch in der Höhe für schweißtreibende Fortbewegung. Unsere Pflichtausrüstung wie warme Kleidung und Regenschutz konnten wir unbenutzt wieder aus unseren Laufrucksäcken rausräumen. Könnten wir eigentlich nochmal machen, weitere Bergziegen gerne willkommen (3. August 2019, s. unter https://www.pitz-alpine.at/de/pitz-alpine-glacier-trail/.).