Fotowettbewerb "lost place" in Berlin

(Christian Blesinger) In der Nacht von Donnerstag auf Freitag machten wir uns zu viert auf den Weg nach Berlin. Wir erreichten die Hauptstadt gegen 6.00 Uhr morgens. Nach einem kleinen Nickerchen im Auto von 2 Stunden in halbliegender Position checkten wir im Hotel ein, richteten unsere Kameras, Objektive und Taschenlampen und schon ging es los zu unserer ersten Tour zum Olympischen Dorf, welches 10 Kilometer westlich von Berlin liegt. Dieses Sportlerdorf wurde für ca. 4000 Athleten der XI. Olympischen Sommerspiele von 1936 errichtet. Im Anschluss an das Sportereignis dienten die Gebäude als Kaserne der Wehrmacht, später als Lazarett. Nach dem 2. Weltkrieg nutzten Einheiten der sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Wir fotografierten uns zuerst durch die Turnhalle, das imposante Speisehaus der Nationen, das Hindenburghaus sowie die Schwimmhalle. Die Zeit verging im Fluge und schon waren die Speicherkarten mit den ersten Aufnahmen gefüllt. Am Abend trafen wir uns dann mit einigen Berliner Kollegen der Sparte Fotografie zu einem gemütlichen und unterhaltsamen Abend im „Royal“, einem Lokal ganz im Stil der 50er/60er Jahre – passend ausgesucht zu unserem Fotothema Lost Places. Es wird gemunkelt, dass dem einen oder anderen Fotografen die kleinen scharfen „Mexikaner“, ein Spezialgetränk des Hauses, am nächsten Morgen doch zu schaffen gemacht haben. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an die Foto-Kollegen aus Berlin für diesen tollen Abend!

Am frühen Samstagmorgen fuhren wir dann zu einer verfallenen Lungenheilanstalt am Ostufer des Grabowsee, gut versteckt in einem Kiefernwald. Die zivile Nutzung fand im 2. Weltkrieg jäh sein Ende. Es zog die Wehrmacht ein, danach die Rote Armee. Seit den 90er Jahren liegt das Anwesen brach. Wir tauchten für 7 Stunden in den verfallenen Gemäuern mit bröckelndem Putz und zerborstenen Fenstern unter, stiegen über Schutt und Scherben, um DAS ultimative Foto für den Wettbewerb zu schießen. Selbst vor dunklen Kellern und maroden Treppenhäusern wurde nicht Halt gemacht. Die Totenstille und tropfenden Decken sorgten öfters für einen Gruselfaktor. Die fotografischen Ergebnisse entschädigten uns aber schnell. Auch Lichtmalerei wurde eingesetzt, um die verlassenen Räume und Gegenstände ins richtige Licht zu setzen. Zwischendurch wurden wir durch den Veranstalter mit warmen Würsten und Getränken versorgt. Mit vollgeladenen Speicherkarten und geleerten Akkus traten wir gegen 17.00 h wieder die Rückreise ins Hotel an. Nach kurzer Verschnaufpause ging es dann aber gleich wieder los um Berlin bei Nacht zu fotografieren. Natürlich durften Reichstag, Kanzleramt, Hauptbahnhof und Brandenburger Tor sowie das Sony-Center nicht fehlen.
…. Und da wir jetzt so richtig im Fotofieber waren, wurde noch spontan eine Tour durch die alte Fleischfabrik und Bäckerei gebucht. Punkt 11.00 h am Sonntag zogen wir durch verweiste Treppenhäuser und gekachelte Hallen und hielten alles Interessante und Kuriose auf unseren Speicherkarten fest. Der Betrieb der Fleischerei wurde vor 25 Jahren eingestellt, aber es riecht noch heute nach geräuchertem Fleisch. Auch Streetart-Künstler zeigen hier was sie können.
Gegen 23.30 h trafen wir dann müde wieder in Rastatt ein.
Zum Schluss bleibt noch zu erwähnen, dass während dieser Kurzreise Würste, zubereitet in unterschiedlichster Form, zu unserem Hauptnahrungsmittel wurden. Diese Spezialität wird nun aus gegebenem Anlass in den nächsten Wochen von unserem Speiseplan ersatzlos gestrichen!